Durchwachsene Zwischenbilanz bei der Verbandsversammlung
Im Jahr 2023 war der Breitbandausbau im Landkreis Esslingen gekennzeichnet von viel Bewegung am Markt; nicht immer zum Vorteil der Ausbauziele und -zahlen in Landkreis und Region. Gekennzeichnet wurde die Entwicklung des Glasfaserausbaus einerseits von einer Marktkonsolidierung der Telekommunikationsunternehmen (TKU), stark gestiegener Kosten im Tiefbau und beim Material sowie geänderter rechtlicher Rahmenbedingungen beim Ausbau. Der angekündigte flächendeckende Ausbau für sechs Kommunen im Neuffener Tal, kam Aufgrund der Insolvenz der Liberty Networks Germany nicht zu Stande. Die steigenden Zinsen am Kapitalmarkt und höhere Anforderungen an die Eigenkapitalquote beeinflussen zukünftig den Glasfaserausbau, so werden angekündigten Projekte in vereinzelten Kommunen erneut auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft.
Bei einigen Kommunen verzögert sich der Ausbau wegen fehlender Tiefbauressourcen. Dennoch ist die Versorgung mit Glasfaseranschlüssen im Landkreis weiterhin gestiegen und wird bis Ende 2023 bei ca. 23% aller Haushalte liegen.
Wesentlicher Baustein zum Erreichen der regions-weiten Ziele beim Glasfaserausbau ist die seit 2019 bestehende Kooperation mit der Deutschen Telekom, deren Projektleitung die aktuellen Ausbauerfolge sowie die Planung für das Jahr 2024 vorstellte. (siehe Zumeldung Telekom)
„Trotz der schwieriger gewordenen Rahmenbedingungen im Breitbandausbau ist und bleibt die Telekom unser Ankerpartner. Ohne das Engagement der Telekom in einer Vielzahl unserer Kommunen würden unsere Ausbauziele in weite Ferne rücken“, sagt der Verbandsvorsitzende Landrat Heinz Eininger.
Zusätzlich zu den Aktivitäten der Deutschen Telekom gab es in 2023 Aktivitäten weiterer Telekommunikationsunternehmen, wenn auch nicht in dem in 2022 angekündigtem Umfang. Die GVG Glasfaser aus Kiel startete im Sommer 2023 Ihren Ausbau in den benachbarten Gemeinden Altbach und Deizisau. Ein Ausbau in Kooperation mit der Deutschen Giga Access (DGA) in den Kommunen Schlaitdorf, Neckartailfingen und Aichtal, dieser wird aktuell von der DGA, die die Glasfaserinfrastruktur realisieren soll, wirtschaftlich neu bewertet.
Die Deutsche Glasfaser ist ebenfalls aktiv im Landkreis, wenngleich in den vorvermarkteten Kommunen noch keine Baumaßnahmen zu verzeichnen sind. Zusätzlich zu den bereits für den Ausbau angekündigten Kommunen Owen, Dettingen, Ohmden, Hochdorf, Notzingen und Oberboihingen wurde die Vermarktung für einige Ortsteile der Gemeinde Lenningen, für Erkenbrechtsweiler und Großbettlingen vor wenigen Wochen positiv ab-geschlossen, sodass auch hier die nächsten Planungs-schritte für einen Ausbau in die Wege geleitet werden können. Der Ausbau auf Seiten der Deutschen Glasfaser beginnt im Frühjahr 2024 in Dettingen/Teck.
Die EnBW-Tochter Netcom BW startete Ihren eigen-wirtschaftlichen Ausbau 2023 in den Kirchheimer Ortsteilen Nabern und Lindorf sowie in der Gemeinde Unterensingen. Der Ausbau des Holzmadener Gewerbegebiets wurde 2023 abgeschlossen.
Beim geförderten Ausbau gab es in diesem Jahr positive Entwicklungen. Nach der Vergabe der ersten Ausbaugebiete aus der ersten Bündelausschreibung an die Deutsche Telekom in 2022, ging es dieses Jahr an die Umsetzung der Maßnahmen. In den Genuss eines Glasfaseranschlusses kamen in erster Linie unterversorgte Schulen im Landkreis, deren Baustart bei einem gemeinsamen symbolischen Spatenstich im September 2023 begonnen wurde. Eine zweite Ausschreibung für den Ausbau von „Weißen Flecken“ (Versorgung unter 30 Mbit/s) und Gewerbegebieten im Landkreis wurde im Sommer gestartet und eine dritte Ausschreibung soll im Frühjahr 2024 veröffentlicht werden.
Das neue Förderprogramm des Bundes „Dunkelgraue-Flecken“ begünstigt Anschlüsse mit Internet- geschwindigkeiten unter 500Mbit/s. Eine vorläufige Förderzusage erfolgt jedoch nicht mehr nach dem Windhundprinzip, sondern nach einem Punktesystem. Hier hat der Zweckverband für 35 Projekte im Landkreis Förderanträge gestellt mit einem Fördervolumen von ca. 226 Mio €. Aufgrund des komplexen Punktesystems, ist jedoch nur eine geringe Zuteilung von Fördermitteln für den Landkreis zu erwarten. Begünstigt werden u.a. sog. Interkommunale Zusammenarbeiten (IKZ), die nun zweckverbandsintern forciert werden sollen. An einem erneuten Förderaufruf in 2024 wird sich der Zweckverband erneut für seine Kommunen beteiligen.
„Wermutstropf bei der Förderung ist die Komplexität beim Ausschreibungsprozess sowie die knapp bemessenen Fördermittel. Ich befürchte zudem, dass die aktuellen Diskussionen um den Bundeshaushalt die Breitbandförderung nicht verbessern werden “, sagt der Verbandsvorsitzende. Für das nächste Jahr erhofft sich der Zweckverband eine Erhöhung der Ausbauzahlen für den Landkreis durch den zugesagten Baustart in Kommunen mit weiteren Wettbewerbern und von Förderprojekten, die mit einem synergetischen eigenwirtschaftlichen Ausbau verbunden sein sollen. Insoweit blickt der Zweckverband positiv in das Jahr 2024.
Im Rahmen der Verbandsversammlung wurde Landrat Heinz Eininger als Verbandsvorsitzender sowie der Lenninger Bürgermeister Michael Schlecht als stellvertretender Verbandsvorsitzender wiedergewählt.
