Der Zweckverband Breitbandversorgung Landkreis Esslingen hat bei der Verbandsversammlung eine positive Zwischenbilanz seiner Arbeit gezogen. Der Glasfaserausbau im Verbandsgebiet schreitet voran. Zahlreiche Gemeinden profitieren bereits von den ersten Anschlüssen und in einigen Gebieten liegt die Glasfaserabdeckung bereits bei rund 90 Prozent. „Mit dem Ausbau der Glasfaserinfrastruktur in unserem Landkreis schaffen wir die Grundlage für eine zukunftsfähige Region, in der Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben und Privatpersonen von modernster digitaler Infrastruktur profitieren“, sagt Landrat Marcel Musolf als Vorsitzender des Zweckverbands Breitbandversorgung Landkreis Esslingen.
Trotz dieser positiven Entwicklung gab es in den vergangenen Monaten auch Hürden zu überwinden. Komplexe Genehmigungsverfahren, Material- und Bauengpässe sowie die Koordination verschiedener Partner verlangten allen Beteiligten viel Einsatz ab. „Gerade diese Herausforderungen zeigen, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, dem Zweckverband und ausführenden Unternehmen ist“, sagte Musolf.
Verzögerte Baustarts und Unklarheiten zum Ausbauhorizont in einzelnen Kommunen haben das Bild stellenweise getrübt. Dennoch lassen sich zahlreiche Fortschritte vermelden: Bis Ende dieses Jahres erreichen sechs Kommunen einen Versorgungsgrad von mehr als 90 Prozent. Die Glasfaserabdeckung im gesamten Landkreis steigt zum Jahresende auf rund 41,3 Prozent aller Haushalte – ein enormer Sprung im Vergleich zu 2019, als der Zweckverband bei einem Versorgungsgrad von lediglich einem Prozent gestartet war.
Größter Partner im eigenwirtschaftlichen Ausbau bleibt die Deutsche Telekom. In rund der Hälfte der Kommunen im Landkreis finden Bauprojekte oder Planungen statt. Die Telekom erfüllt ihre Ausbauziele und liegt im Zeitplan. Die Projektleitung der Telekom stellte die aktuellen Ausbauerfolge sowie die Planung für 2026 vor. In enger Kooperation mit der Telekom treiben auch die Stadtwerke Filderstadt, Nürtingen und Leinfelden-Echterdingen den Glasfaserausbau voran.
Zusätzlich gibt es 2025 Aktivitäten und Interessensbekundungen weiterer Telekommunikationsunternehmen: Deutsche Glasfaser hat den Ausbau in mehreren Kommunen zuverlässig vorangebracht und abgeschlossen. Aufgrund einer strategischen Neuausrichtung und Investorensuche verzögern sich jedoch weitere Projekte.
Die EnBW-Tochter NetCom BW hat ihren eigenwirtschaftlichen Ausbau fortgesetzt und Haushalte in nennenswertem Umfang erschlossen. Parallel laufen weitere Vorvermarktungsaktivitäten im Landkreis. GVG-Glasfaser nahm den Ausbau nach Verzögerungen durch den Wegfall von Bauunternehmen wieder auf. Neu im Landkreis ist die OXG, eine Vodafone-Tochter, die sich auf den Ausbau in der Wohnungswirtschaft konzentriert und einen beachtlichen Teil in der Stadt Esslingen erschließen möchte.
Neben diesen Unternehmen finden fortlaufend Gespräche mit weiteren Marktteilnehmern statt, um die Versorgungslage im Landkreis bestmöglich zu verbessern. Über neue Kooperationen wird regelmäßig durch gemeinsame Pressemitteilungen der Kommunen, Telekommunikationsunternehmen, der Gigabit Region Stuttgart und des Zweckverbands informiert.
Vor der Verbandsversammlung fand die Vertragsunterzeichnung der Zuwendungsverträge aus der zweiten Ausschreibung mit der Deutschen Telekom statt. Dabei wurden acht neue Förderprojekte in sieben Landkreiskommunen auf den Weg gebracht.
Die Gesamtfinanzierung der Projekte beläuft sich auf rund 6,5 Millionen Euro und betrifft etwa 330 Haushalte. Gefördert werden die Vorhaben mit 50 Prozent durch das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung im Rahmen des Bundesförderprogramms Breitband sowie 40 Prozent durch das Land Baden-Württemberg (Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen). Die restlichen zehn Prozent tragen die Kommunen.
Die Bauarbeiten für diese Förderprojekte starten ab 2026 und werden fortlaufend umgesetzt. Damit setzt der Zweckverband ein klares Signal für den flächendeckenden Glasfaserausbau – auch in Bereichen, die eigenwirtschaftlich nicht erschlossen werden können.
Weiter im geförderten Ausbau kann der Landkreis mittlerweile auf 19 gestartete und bereits teilweise auch abgeschlossene Förderprojekte zurückblicken.
Weitere Projekte – vor allem im Lückenschlussprogramm – wurden ausgeschrieben und veröffentlicht. Für 2026 plant der Zweckverband zusätzliche Förderprojekte. Dennoch gibt es immer wieder Vorhaben, die selbst mit Förderung nicht wirtschaftlich sind und daher kein Angebot erhalten oder bereits im Branchendialog abgesagt werden. Die Vergabe von Fördermitteln bleibt ein langwieriger und komplexer Prozess, der viele Ressourcen bindet. Trotzdem leistet der geförderte Ausbau einen wichtigen Beitrag zum flächendeckenden Glasfaseranschluss.
Neben dem Glasfaserausbau spielt auch die Mobilfunkversorgung eine zentrale Rolle für die digitale Infrastruktur im Landkreis Esslingen. Die Versorgung ist aktuell sehr gut und liegt bei über 95 Prozent. Dennoch zwingt der kontinuierliche Anstieg des mobilen Datenverkehrs – allein im Jahr 2024 um bis zu 30 Prozent – die Mobilfunkanbieter zu einer fortlaufenden Netzverdichtung.
Um die Kommunen bestmöglich einzubinden und Transparenz zu schaffen, fand im Spätsommer ein umfassender Mobilfunkdialog für die Landkreiskommunen statt. Die Veranstaltung bot vielfältige Informationsmöglichkeiten und beleuchtete das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Integration des Mobilfunkausbaus in die Gesamtstrategie bleibt ein wichtiger Schritt, um die digitale Leistungsfähigkeit des Landkreises nachhaltig zu sichern.
Für das kommende Jahr plant der Zweckverband, den Ausbau weiter zu beschleunigen und zusätzliche Fördermittel zu nutzen. Ziel bleibt es, bis 2030 eine flächendeckende Glasfaserinfrastruktur im gesamten Verbandsgebiet bereitzustellen – ein entscheidender Schritt für die digitale Zukunft des Landkreises Esslingen.



